Hi, ich bin Sonya.

Im Jahr 2015 entschied ich mich dazu, ab sofort nur noch unverfälschte Portraits von Menschen entstehen zu lassen.

... Und das kam so:
Um mein neuntes Lebensjahr herum habe ich -gemeinsam mit meiner Schwester-  angefangen, mit der analogen Spiegelreflexkamera unserer Mama zu fotografieren. Zeitweise waren dann andere Dinge wichtiger. 2007 war ich mit meiner Mama bei einem großen Gottesdienst in Stuttgart. Ich stand da inmitten von dreizehntausend singenden Menschen. Ich habe nicht mitgesungen, sondern mir die Menschen um mich herum angeschaut- und ich war überwältigt von diesen Emotionen in den Gesichtern. 
Ich war ganz vertieft in das Gesicht eines Mannes, der schräg vor mir stand. Eine Hand lag auf seiner Brust, Tränen glänzten auf seiner Wange.

In dem Moment habe ich mich wieder an die Fotografie erinnert. In mir ist ein richtiges Feuer aufgebrannt- ich wollte diesen Menschen fotografieren. Überwältigende Gefühle festhalten. Konservieren. Wiedererlebbar machen. 

 

Ich fing an zu fotografieren und habe dann auch mehrere Jahre in einem klassischen Portraitstudio gearbeitet. Während dieser Zeit konnte ich sehr viel lernen und dafür bin ich unfassbar dankbar.
Aber das Feuer, dieses Berührt-sein, das ging verloren im Alltag. Da war nichts mehr mit Gefühle wiedererlebbar machen durch Fotografie.

 

Da war gar kein Gefühl.

 

Ich war richtig unglücklich mit der Fotografie. Ich wurde still. Meinen Traum hatte ich verloren und ich wusste gar nicht mehr, wo ich hingehörte. 2012 ging ich dann nach Hamburg um neu anzufangen. Ich wollte alles- nur nicht mehr fotografieren. Tatsächlich war ich dermaßen ausgebrannt, dass ich eine lange Therapie für mein Burnout und meine Depressionen begann.

Privat- vor allem während der Therapie- habe ich immer noch fotografiert, wenn es sich ergeben hat. Aber beruflich war das für mich nicht mehr vorstellbar. Es war, wie wenn die große Liebe einen so enttäuscht, dass man mit ihr Schluss machen muss- man kann nicht mehr mit ihr leben. Aber auch nicht ohne sie: wenn sie einem wieder mal begegnet, brennt einem das Herz und man schaut ihr wehleidig hinterher.

 

Ich war tief enttäuscht von der Fotografie.

 

Als meine Tochter Safiya im August 2015 geboren wurde, habe ich wochenlang dafür gebraucht, endlich die Kamera auszupacken. Dieses Teil war einfach nicht mehr meine Freundin und mein Baby war der letzte Mensch auf Erden, dem ich das Fotografiert- werden antun wollte.

Babyfotos kannte und konnte ich nur mit Nusschale, Körbchen und jeder Menge Schnickschnack. Ganz ohne Emotion.

Eines Tages lag das Baby auf dem Bett, ich lief vorbei, hielt inne und war vertieft in dieses Bild. Wie das Fensterlicht einen Teil des Gesichts aufhellte, während sie mit ihren dunklen, weit geöffneten Augen ganz still dalag.

Und dann habe ich die Kamera doch aus der verstaubten Tasche geholt. Ich habe an nichts gedacht, was ich über die klassische Babyfotografie gelernt hatte. Nur gefühlt, wie sehr ich dieses Baby liebe und wie sehr ich mir wünsche, dieses Gefühl niemals zu vergessen.  

Für immer festzuhalten. Zu konservieren. Wiedererlebbar zu machen.

UND BÄM! Das Gefühl, das Berührt-sein, das festhalten wollen von Liebe war wieder da. Genau das Gefühl, dass ich 2007 in dem Gottesdienst hatte. Das Gefühl, das mich zu dem Wunsch, Fotografin zu werden, geleitet hat, war wieder da. 
Es hat neun Jahre gedauert, bis ich die Vision, die ich in diesem Gottesdienst in Stuttgart hatte, plötzlich wieder spürte und diesesmal aber sofort umsetzen konnte.

 

Dann habe ich ein neues Konzept entwickelt und mich nur wenige Monate später selbstständig gemacht. Ich habe verstanden, wo der Unterschied liegt: man kann Babys auf Posingbälle drapieren, in besonders süße (aber unnatürliche!) Posen zwängen, in Kostüme stecken, sodass das Baby vom Kostüm in den Schatten gestellt wird.

Man kann ganz niedliche Arrangements zaubern und Babys fotografieren wie Objekte in einem Stillleben.

Ehrlich gesagt: diese Art, Babys zu fotografieren ist meiner Meinung nach oft einfach nur Selbstdarstellung des Fotografen. Es erscheint mir egoistisch. Da steht das "Kunstwerk", das der Fotograf erschaffen will, im Vordergrund.

Man kann sich aber auch entschließen, Liebe zu fotografieren. Man kann sich entschließen zu erkennen, dass Babys und Kinder von Natur aus perfekt sind, wie sie sind. Man kann sich entschließen, nur das Baby und die Liebe der Eltern zum Kind in den Vordergrund zu rücken. Man kann Liebesbriefe mit Fotos schreiben. 

So entstehen spürbare Bilder. Bilder, die hoffentlich noch in 50 Jahren Dein Mama- oder Papa-Gefühl aufleben lassen. 
Unverfälschte Portraits, die Du ansiehst und spürst: genau so schaut mein Kind auch mich an.

 

Das tue ich jetzt. Ich möchte zum Umdenken motivieren und das allgemeine Verständnis von Baby- und Kinderfotografie in ein natürlicheres Licht rücken. Die Babyfotografie- Equipment- Versandhändler werden keinen Cent an mir verdienen.